Sozialarbeiter als Freelancer, oder: Wie arbeiten wir in Zukunft?

sunset-summer-golden-hour-paul-filitchkinSozialarbeiter als Freelancer, oder: Wie arbeiten wir in Zukunft?

Ich mache mir Gedanken über die Zukunft unserer Arbeitswelt. Das hat mit Sicherheit einiges mit meinem persönlichen Umfeld, meinen drei Kindern, Fragen nach Vereinbarkeit von Beruf und Leben, zu dem meine Familie als allererstes gehört, meinem Interesse an neuen Organisationsformen etc. zu tun.

Wie wollen wir arbeiten? 

Mit Blick auf die aktuelle Situation am „Sozialen Arbeitsmarkt“ zeichnet sich ein Fachkräftemangel als dicke Wolke am Horizont ab. Manche sind an diesem Horizont schon näher dran, bei einigen regnet es bereits.

Pflegeheime müssen aufgrund von Personalmangel schließen, Erzieher gehen (leider mit mäßigem Erfolg) für bessere Bezahlung auf die Straße, die Integration von Flüchtlingen ist ein enormes Thema, die Komplexität der durch Soziale Organisationen zu lösenden Probleme erhöht sich. Gleichzeitig erhöht sich der ökonomische Druck, Konkurrenz und  Wettbewerb sind schon und werden zunehmend zu einem auch Organisationen der Sozialwirtschaft betreffenden Thema.

Und auf der anderen Seite gibt es kein Personal und keine wirklichen Lösungen für die Zukunft von Organisationen der Sozialwirtschaft!

Viele Fliegen, eine Klappe

In dem in der Berliner Morgenpost erschienenen Artikel wird schon deutlich, was passieren kann: Arbeitslose als Betreuer von Flüchtlingen, Flüchtlinge selber als Betreuer von sich selbst, sozusagen. Das sind – ehrlich gesagt – tolle Ansätze um mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen – Arbeitslosenzahlen zu reduzieren, Kosten einzusparen und Betreuungsmöglichkeiten sicherzustellen.

Und: Es stellt die Profession der Sozialen Arbeit vor neue Herausforderungen. Irgendwann gab es mal die Diskussion, Kurzzeitausbildungen für ErzieherInnen anzubieten, um damit dem Fachkräftemangel Herr zu werden.

Wer mich kennt, weiß, dass ich hier keinen „Raubbau an unserem Sozialstaat“ oder einen „neoliberalen Ausverkauf unserer Profession“ betreiben will (alles Vorwürfe, die mir bereits mehr oder weniger öffentlich in Bezug auf meinen Blog gemacht wurden). Das passiert nicht durch diesen Blog hier, das passiert – leider – ganz automatisch, wenn wir nicht aufpassen.

Deutlich wird für mich, dass wir beginnen müssen, uns zu fragen, was denn der Kern Sozialer Arbeit ist und was wir wie mit unseren Kompetenzen erreichen können.

Schuster, Bäcker und Tischlerpostapo-last-week-theam

Dazu aber zurück, in eine Zeit vor etwa 150 oder 200 Jahren. Die damals lebenden Menschen waren entweder als Handwerker oder als Bauern damit beschäftigt, ihren Lebensunterhalt zu verdienen oder besser noch: zu überleben. Leben war Arbeit und Arbeit war Leben. Konkret gab es in einem Dorf einen Schuster, einen Bäcker, einen Tischler, einen Dachdecker, einen Schneider, mehrere Landwirte und so weiter… Jeder dieser Menschen verfügte über mehr oder weniger spezifisch Kompetenzen, die er seinen Mitmenschen nutzbringend anbieten konnte. Wenn der Schuster nicht gut war, nicht die geforderte Leistung ablieferte, wenn das Brot schlecht war, wenn die Kleidung nicht saß, konnte man dies direkt und ohne Umschweife an die entsprechende Person zurückmelden. Kommentare und „Likes“ wie bei Facebook, nur eben direkt und real!

Dann änderte sich radikal: Durch die Erfindung der Dampfmaschine wurde es möglich, Produkte in größerer Anzahl, dafür aber billiger, zu produzieren. Henry Ford hat dann durch die Perfektionierung der Fließbandfertigung ganz neue Dimensionen der Arbeitsteilung geschaffen. Massenproduktion wurde möglich, mit allen bekannten positiven wie negativen Auswirkungen. In dem Zuge wurden Systeme eingeführt, die wir heute immer noch ohne zu hinterfragen, hinnehmen: Management nach der Art, wie es Frederik Taylor (enorm erfolgreich für die damalige Zeit) propagiert hat, Schulsysteme, die eine Trennung in gut, mittel, schlecht (und behindert) zementiert haben, große Konzerne, die eine Art zu arbeiten festgezurrt haben, aus der wir uns heute kaum befreien können, obwohl sich die Welt – wie gesagt – radikal gewandelt hat und dies weiter mit steigender Geschwindigkeit tun wird.

Heute? Wie sieht es aus? 

Massenproduktion gibt es immer noch, allerdings nicht mehr in den angeblich so hoch entwickelten Ländern. Vielmehr wird bei uns in Deutschland die wesentliche Wertschöpfung im produzierenden Gewerbe nicht durch die Massenfertigung allein erreicht sondern durch bspw. Spezialmaschinenbau, wobei eben keine Massen sondern Spezialanfertigungen entstehen. Kleine Serien, erfunden und hergestellt von Spezialisten.

Neben dem gibt es noch die Berufe, die sich mit Verwaltung, Papierkram und Management beschäftigen. Irgendjemand muss das ja steuern, irgendjemand muss doch denken, wenn alle anderen das tun, was gedacht wurde. Indianer ohne Häuptlinge, geht doch nicht, oder?

Allerdings beginnt es schon jetzt zu bröckeln:

Die zunehmende Digitalisierung wird vielleicht Jobs kosten, vielleicht (in meinen Augen sogar sehr wahrscheinlich) wird sie auch Jobs schaffen. Sicher ist jedoch: Sie wird verändern. Es werden Anforderungen an Stellen geändert werden müssen, es werden Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren, dafür werden andere Menschen neue Arbeitsplätze, Geschäftsmodelle, Möglichkeiten, Ideen, Lösungen, Innovationen entwickeln.

Es gibt bereits heute Firmen, die sich einzig damit beschäftigen, wie Prozesse in Firmen digitalisiert werden können. Da kommen dann „Berater“ in die Firma, schauen sich die Prozesse an und entwerfen Möglichkeiten zur Digitalisierung der Arbeitsabläufe. Besonders beliebt werden diese Menschen nicht sein, aber: Das ist nicht aufhaltbar! In meinen Augen bieten sich vielmehr Chancen, zu überlegen, wie wir denn Arbeiten wollen. Richtig spannend ist die Ablage von Papier oder das Stempeln von Dokumenten nicht, oder?

Was heißt das aber für die Menschen?

Für die Menschen heißt das, dass wir wieder verstärkt schauen müssen, was denn unsere Fähigkeiten sind, die wir für unsere Umgebung, unsere Mitmenschen einsetzen können, um einen Mehrwert für diese Menschen zu generieren, wenn wir denn ein Einkommen generieren wollen. Damit stellen sich zwei Fragen:

  1. Was sind meine je spezifischen Kompetenzen, Fähigkeiten, mit denen ich Mehrwert schaffen kann? Und:
  2. Was ist denn überhaupt Mehrwert?

Diese beiden Fragen sind für jeden Menschen individuell zu beantworten. Man muss sich damit auseinandersetzen: Wie will ich leben? Was will ich? Was kann ich? Und was davon wird benötigt, um den Mehrwert zu schaffen, den ich als Mehrwert definiere?

Die gleichen Fragen sind auch für Organisationen zu stellen: Was wollen wir mit unserer Firma? Oder radikaler: Was will die Organisation, in der wir hier arbeiten? Wie wollen wir in der Organisation arbeiten? Was ist das, was wir können? Wie können wir das lernen, was wir können wollen? Und dann noch: Schaffen wir mit dem, was wir können, den Mehrwert, den wir schaffen wollen?

Ich bin davon überzeugt, dass wir im Sozialen Bereich, mit den vorhandenen Organisationen der Sozialwirtschaft, immer stärker dahin kommen müssen, diese Fragen zu beantworten. Eine Existenzberechtigung einzig aufgrund der bislang bestehenden Existenz der Organisation („Uns gab es doch schon immer!“) wird es nicht mehr geben.

Das heißt aber auch, zusammen, mit den Menschen in den Organisationen, neue Wege zu suchen, den Mehrwert den wir liefern wollen, wirklich zu „liefern“. Damit steht – Kundenorientierung ist ein seltsamer Begriff in dem Kontext – die Zweckerfüllung im Vordergrund. Es geht um sichtbare, nachhaltige Lösungen.

Eine Organisation kann nicht mehr „für sich allein“ existieren, das gelingt selbst Verwaltungen nicht mehr. Gute, sinnvolle, stabile Netzwerke werden wichtig, um die Probleme zu lösen, um den Mehrwert zu schaffen. Netzwerke und Problemlösungen schaffen sich aber – trotz und gerade aufgrund fortschreitender Digitalisierung – nur durch Menschen. Sabine Depew meint dazu, dass die Mitarbeitenden schon jetzt beginnen, ihre eigenen Netzwerke zu schaffen.

Es wird verstärkt auf die Kompetenzen jedes einzelnen ankommen. Es wird nicht mehr ausreichen, sich entspannt in seiner Angestelltenhängematte zurückzulehnen, Zeit gegen Geld zu tauschen und auf die Rente zu warten. Das haben Menschen in For-Profit-Organisationen schon – teilweise leidvoll – erfahren müssen (die Geschichte von Schlecker – kennt ihr noch, oder? – ist hier nur ein ziemlich übles Beispiel).

Aber in Zukunft werden auch die Menschen in Organisationen der Sozialwirtschaft lernen müssen, dass es mehr bedarf, als nur „seinen Job“ zu machen.

Damit werden – wie schon gesagt – die Kompetenzen jedes einzelnen in den Mittelpunkt rücken.

Jetzt heißt die Überschrift „Sozialarbeiter als Freelancer“. Warum das bitte schön?

Wenn man sich Diskussionen, Artikel und die Entwicklung der Anzahl von Menschen anschaut, die für sich selbst, in neuen, anderen Formen von Arbeit versuchen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten – eben bspw. als Freelancer – wird deutlich, dass sich diese Menschen auf ein neues Terrain begeben. Sprichwörtlich begeben sie sich auf die Bühne. Sie werden sichtbar, als Mensch, der einen Mehrwert liefern will. Ihnen bleibt nichts Anderes übrig, wenn sie denn ernsthaft ihr Leben anders gestalten wollen, wie ein Künstler, ein Schauspieler, täglich neu zu versuchen, ihre Kompetenzen, ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten „an den Mann“ zu bringen, zu verkaufen. Dabei kann man scheitern, dadurch entstehen prekäre Scheinselbständigkeiten, natürlich. Aber das passiert vor allem, weil die Kompetenzen nicht in der Form benötigt werden, in der sie angeboten werden.

Und das heißt, dass sich Sozialarbeiter jetzt verkaufen sollen? 

Ja, radikal ausgedrückt kann man das so sehen (ich sehe den Shitstorm kommen 😉

Weniger radikal ausgedrückt bin ich der Überzeugung, dass die Soziale Arbeit davon profitieren kann, wenn die Menschen in der Sozialen Arbeit verstärkt versuchen würden, sich und ihre Kompetenzen, ähnlich wie auf einem freien Markt, zu präsentieren. Unabhängig davon, ob sie fest angestellt sind oder versuchen, einen Weg der Selbständigkeit zu beschreiten. Die Absurdität des Begriffes „abhängige Beschäftigung“ verdeutlicht hier vieles. Ich will nicht abhängig sein, auch dann nicht, wenn ich angestellt bin.

Schüchternheit? Zweifel? Unsicherheit? 

Die sind gut und wichtig, aber eben nicht geeignet, um nach außen deutlich zu machen, was der Mehrwert ist, der durch Soziale Arbeit an den Mann (und die Frau und die Kinder) gebracht werden kann.

Potentialentfaltung auf organisationaler Ebene

romantic-fire-burning-fireplaceWenn man Organisationen betrachtet, kann man diese gut in die Bereiche Unternehmensumwelt, Unternehmensstruktur und Unternehmenssteuerung einteilen. In meinen Augen sollte ein eigener Bereich „Personal“ ebenfalls mit betrachtet werden, da dieser in Organisationen der Sozialwirtschaft besonderen Anforderungen unterliegt.

Alle Ebenen – Unternehmensumwelt, Unternehmensstruktur, Unternehmenssteuerung (hierzu gehört bspw. auch die Unternehmenskultur und die –führung) und Personal – sind so zu gestalten, dass Menschen als „selbständig denkende und handelnde Menschen“ ihr volles Potential entfalten können, nicht als kleines Zahnrad in einem Getriebe.

Um nur einen Bereich herauszugreifen und zu erläutern, muss sich die Führung von Organisationen an den in den Organisationen arbeitenden Menschen ausrichten. Insbesondere für Organisationen der Sozialwirtschaft stellt sich die Frage:

An wem sonst? 

Wer, außer den Menschen in den Organisationen, liefert den Mehrwert für die Organisation? Die Führung muss zum „Dienstleister“ für die Menschen werden, wie gesagt – mit dem Ziel der vollen Potentialentfaltung.

Das machen die schon immer so?

Da bin ich mir mehr als unsicher.

Zusammenfassung für Eilige:

Wenn man sich die Frage danach stellt, wie wir arbeiten wollen, sind bestimmte Rahmenbedingungen in Organisationen der Sozialwirtschaft zu berücksichtigen, die dazu führen, dass die Kompetenzen der SozialarbeiterInnen einen immer höheren Stellenwert einnehmen (bspw. demografischer Wandel, Ökonomisierung, Digitalisierung, Globalisierung, Wertewandel). Um in diesen immer unsicher werdenden Bedingungen einen wirklichen Mehrwert anbieten zu können, ist die Haltung von „Freelancer“, Künstlern, Schauspielern, Selbständigen für SozialarbeiterInnen mehr als hilfreich. Und die Organisationen der Sozialwirtschaft müssen sich dahin verändern, dass die Menschen ihr volles Potential entfalten können um damit – und nur damit – die Anforderungen an die Organisationen so bewältigen zu können, dass der Zweck der Organisationen, ihr „Warum“ auch in Zukunft erfüllt werden kann.

Oder was meint Ihr?

Freue mich auf eine anregende Diskussion…

Angeregt zu diesem Artikel hat mich übrigens der Beitrag von Benedikt Geyer zu Netzwerken, in denen Menschen ohne (monetäre) Gegenleistung ihre Fähigkeiten anbieten, um damit anderen Menschen zu helfen. Das ist doch mehr als spannend: Ohne Gegenleistung? Warum tut man so etwas? Warum bietet jemand seine Kompetenzen an, seinen Mehrwert, den er anderen liefern kann? Ein Weg, sein Potential zu entfalten? Jedoch jenseits der „Organisationen“, so wie wir sie heute kennen…


P.S.: Falls Ihr mehr über meine Gedanken zur Entwicklung der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft erfahren wollt, tragt doch einfach Eure E-Mailadresse oben ein.

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Oder Ihr schaut mal auf Facebook vorbei! Über ein “like” freu ich mich (und ein paar hoffentlich spannende Links gibt’s dazu)…

P.P.S.: Falls Ihr dann tatsächlich mal Freelancer seid, schaut doch mal bei Evernote vorbei! Großartiges Tool…

 

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5 Kommentare zu „Sozialarbeiter als Freelancer, oder: Wie arbeiten wir in Zukunft?“

  1. Netzwerke sind in der Tat überlebensnotwendig für die Organisationen des Dritten Sektors, d.h. den gemeinnützigen Bereich. Interorganisationale und gemeinwesenorientierte Netzwerke werden gebraucht, um Probleme zu lösen, knappe Ressourcen zu poolen und Wissen auszutauschen bzw. voneinander zu lernen.

    Ein kultureller Wandel in Nonprofit-Organisationen ist dringend notwendig, gerade auch um die Bereitschaft zur Vernetzung und das Empowerment der Mitarbeiter zu fördern. Stefan Zollondz, ein NPO-Bloggerkollege (und Sozialarbeiter) ist schon seit einiger Zeit an diesem Thema dran, – vielleicht kennen Sie sein Blog
    http://www.zollondz-kommunikation.de/messbares-wertemanagement/open-transfer

    Bitte verlieren Sie die Bürger-Nutzer sozialer Organisationen nicht aus dem Blickfeld. Sie schreiben: „die Führung von Organisationen (muss sich) an den in den Organisationen arbeitenden Menschen ausrichten. Insbesondere für Organisationen der Sozialwirtschaft stellt sich die Frage: An wem sonst? Wer, außer den Menschen in den Organisationen, liefert den Mehrwert für die Organisation?“ Sie vernachlässigen aber den Mehrwert der Nutzer, die im Bereich sozialer Dienstleistungen nicht Konsumenten, sondern auch Produzenten sind, – ohne ihr Engagement funktioniert keine Maßnahme in der Sozialarbeit.

    Die Partizipation der Nutzer, ihre Einbindung in die Programmformulierung und -implementation (Stichwort „CoDesign“/“Koproduktion“) ist der Dreh- und Angelpunkt für den langfristigen Erfolg des Dritten Sektors. Ohne eine Mitmach-Kultur und Führungsstrukturen, die auf Partizipation setzen – egal ob es um Mitarbeiter, Nutzer, Angehörige, Spender, Freunde und Nachbareinrichtungen im Quartier geht – werden viele mit den Füßen abstimmen, den traditionellen Wohlfahrtsverbänden den Rücken kehren und ihre eigenen Initiativen – als Nutzer, Mitarbeiter etc. – starten.

    Vor Jahren habe ich mal einen Artikel über „the art of hosting“ geschrieben, – vielleicht kann Sie dieser Ansatz inspirieren: http://blog.nonprofits-vernetzt.de/fuhrung-in-vereinen-vom-held-zum-gastgeber/

    1. Liebe Frau Reiser,

      ich bin begeistert! Danke zunächst natürlich für Ihre positiven Worte und den Link. Vielmehr begeistert hat mich aber die Erweiterung der Überlegung um den Punkt, als Organisation „nach außen“ zu gehen und gemeinsam mit der Umgebung, von mir aus auch den „Stakeholdern“, wenn man dies weit genug fasst, die Organisation zu gestalten. Das ist es – und da gebe ich Ihnen Recht – was wir in Zukunft brauchen.

      Leider stelle ich fest, dass die Organisationen noch nicht mal nach innen eine Kultur der Partizipation leben und (oft) immer noch Strategien vorgegeben und „hierarchisch“ über Strategien etc. entschieden wird. Somit wäre meine Empfehlung: Erst die Mitarbeiter, dann die Umgebung.

      Oder was meinen Sie? Passt das? Beides gleichzeitig überfordert, denke ich…

      Jetzt werde ich mal ein wenig über einen guten Weg nachdenken, freue mich auf Austausch und sende

      beste Grüße

      Hendrik

  2. Viele Nonprofits speziell im wohlfahrtsverbandlichen Bereich sind in der Tat noch sehr traditionell aufgestellt sind und haben mit dezentralisierter, partizipativer Steuerung nicht viel am Hut. Das ist übrigens ja auch ein Grund dafür, das soziale Medien von den Organisationen nicht flächendeckend eingesetzt werden (in jeder Einrichtung, im Stadtteil), sondern zumeist in den Enklaven der Öffentlichkeitsarbeit der Dach- , Landes- und Stadtverbände verbleiben….

    Das Thema „Partizipation“ ist das nächste „Ding“, das auf den Nonprofit-Sektor zurollt, Die Organisationen werden ihm nicht ausweichen können, zumindest nicht langfristig. Wo aber das Thema aufgenommen und bearbeitet wird, macht es Sinn, die Partizipationsmöglichkeiten aller möglichen Gruppen entsprechend der Partizipationspyramide zu reflektieren.

    Ein Stufenmodell (erst die Mitarbeiter, dann die Nutzer, dann noch andere etc..) halte ich nicht für sinnvoll. Weil es auf der Partizipationspyramide unterschiedliche Stufen gibt, braucht man nicht zwischen „Alles oder Nichts“ entscheiden, sondern kann den Weg mit einen Konzept beschreiten, das auf die Bedürfnisse der Organisation zugeschnitten ist.

    Es gibt schon theoretische und praktische Erkenntnisse zum Thema „Einführung einer Verfassung in Sozialorganisationen“, s. hier den Text von Straßburger u.a. 2014.
    http://blog.nonprofits-vernetzt.de/partizipation-sozialeinrichtungen-teil-2-partizipationsrechte-entwickeln/

    1. Liebe Frau Reiser, wieder einmal muss ich mich für meine späte Rückmeldung entschuldigen…

      Ich stimme Ihnen darin zu, dass ein integriertes Modell der Partizipation aller Stakeholder das Optimum wäre. Ob es allerdings der Realität entspricht und entsprechend so kommt, wie Sie schreiben? Da bin ich leider skeptisch, da ich Organisationen als sehr hartnäckig in ihrer Veränderungskompetenz erlebt habe.

      Alleine schon der erste Punkt in dem von Ihnen empfohlenen Artikel setzt auf Offenheit der Organisation (Mitarbeiter, Führung etc.), überhaupt mit ihrer Umwelt partizipieren zu wollen. Und hier bedarf es in meinen Augen einen „mind shift“, den es noch lange nicht gibt. Partizipation in dem Konzept geht von dem Willen der Organisation aus. Wenn diese aber nicht will, wird es schwierig…

      Naja, hoffen wir einmal, dass es so kommt, wie Sie schreiben, ich würde mich drauf freuen 😉

      Ihnen schon jetzt ein gutes Wochenende und

      beste Grüße

      Hendrik Epe

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