Master-Thesis-Tagebuch I: Was bisher geschah!

black-and-white-restaurant-eating-sittingDie aufmerksamen LeserInnen meines Blogs haben es wahrscheinlich schon mitbekommen: Ich stehe kurz davor, meine Master-Thesis zu beginnen, um damit (endlich) mein Studium abzuschließen.

Ich habe mir überlegt – insbesondere für meine eigene Psychohygiene – den Prozess der Erstellung ein wenig hier darzulegen. Vielleicht profitiert Ihr ja auch davon. Falls Ihr noch Tipps und Anregungen habt, immer her damit! 😉

Jetzt aber mal zu dem, was bislang so geschehen ist.

Ich habe vor etwa 2,5 Jahren (im Oktober 2013) einen weiterbildenden Master-Studiengang „Sozialmanagement“ begonnen. Im September, also einen Monat zuvor, ist unser Sohn Juul als drittes unserer Kinder auf die Welt gekommen. Und ich habe – ehrlich gesagt ein wenig egoistisch – entschieden, das Studium trotzdem (oder gerade deshalb) zu beginnen. Denn: Besser, also zeitlich entspannter, wird es nicht.

Das mit der zeitlichen Entspannung versuche ich so zu erreichen, dass ich versuche, meine nicht ganz kleine Familie, meinen nicht ganz unanstrengenden Beruf und eben mein Master-Studium unter einen Hut zu bekommen. Das gelingt nur mit ziemlich strukturierter Arbeitsweise, klaren Regeln und Absprachen und vor allem der Unterstützung durch Kerstin, meine Frau. Ohne Sie und ihr manchmal mehr, manchmal weniger großes Verständnis für meinen Wunsch, das Studium zu absolvieren, wäre das alles undenkbar. Sie steckt zurück, ganz klar, und nach dem Studium ist Zeit für sie.

Zurück zum Studium:

Ich habe bislang – mit einigen Höhen und Tiefen – alle Module gemeistert, Prüfungen absolviert und stehe eben gerade vor dem letzten Berg: meiner Abschlussarbeit.

Zunächst ist es – aus meiner beruflichen Erfahrung heraus – komisch, dass die Arbeit gefühlt für mich einen so hohen Stellenwert einnimmt, wie sie es gerade tut.

Warum aus beruflicher Sicht?

Naja, aus beruflicher Sicht kenne ich mich mit der Gestaltung von Studiengängen gut aus. Bei Bachelor- und Master-Studiengängen kommt das ECTS-System zur Anwendung. Ich habe bereits hier einmal geschrieben was es damit konkret auf sich hat.

ECTS-Punkte haben- zusammengefasst – damit zu tun, einzig die Arbeitszeit zu beschreiben, die für ein Studium angesetzt sind. Mit allem, sozusagen, also Prüfungszeiten, Kontaktzeiten, Selbstlernzeiten, ggf. Praktika etc.

Mehr nicht: ein Zeitwert (übrigens 30 Stunden pro Credit). Das heißt für meine Master-Thesis, dass 20 ECTS-Credits und damit 600 Stunden angesetzt sind. Ehrlich gesagt sind 600 Stunden nicht wahnsinnig viel und im Verhältnis zu den anderen Modulen gerade einmal das Doppelte. Und trotzdem überwiegt das Gefühl, dass die Abschlussarbeit das überhaupt Größte der Welt ist.

Erkenntnis I: Ist natürlich Quatsch und ich muss mich hier wohl wirklich entspannen und den „Wert“ der Arbeit angemessen einschätzen.

Worüber will ich denn eigentlich schreiben?

Naja, ehrlich gesagt habe ich mir gedacht, dass die Master-Thesis irgendwie eine Essenz aus dem Blog hier werden soll. Konkret war meine Überlegung also, irgendwie über die Zukunft der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft zu schreiben.

Jaja, ihr merkt schon: Das klingt zwar irgendwie gut, ist aber auch irgendwie viel zu irgendwie, viel zu umkonkret für eine wissenschaftliche Arbeit, die etwa 60 – 80 Seiten umfassen und innerhalb von etwa vier Monaten fertig gestellt sein soll.

Was war der Weg?

Mein Weg war die Produktion von verschiedenen Exposés, die alle hier auf meinen Computer rumliegen. Falls also von Euch noch jemand auf der Suche nach spannenden Themen für Abschlussarbeiten ist: Ich hab noch ein paar auf Halde. Jan kann das bestätigen 😉

Aber: mir sind immer neue Themen eingefallen, immer neue Aspekte gekommen, die eigentlich spannend wären, immer neue Ideen für Themen, die einer Bearbeitung bedürfen und mir fallen immer noch welche ein. Ich habe das echte Problem, dass ich mich kaum entscheiden konnte. Also musste ich mir die Entscheidung abnehmen lassen: Mein Prof. hat gesagt, dass ich doch jetzt endlich mal anfangen sollte und noch mehr Themen langsam pathologisch würden. Hat er Recht, aber es ist eben nicht einfach.

Und wo stehe ich gerade mit der Arbeit?

Ich habe bisher alle Formalia erledigt, ich habe einen Zweitkorrektor und einen Erstkorrektor, natürlich. Ich habe einen groben Titel für die Arbeit, der wahrscheinlich durch einen angemessenen Untertitel verfeinert werden wird.

Jetzt seid ihr gespannt? Ich auch:

Titel der Arbeit ist: Innovationskompetenz von Organisationen der Sozialwirtschaft

Und der Untertitel wird – wie gesagt – noch angepasst.

Warum Innovationskompetenz von Organisationen der Sozialwirtschaft?

„Am Ende des Tages geht es nur ums Geld!“ Dieser Satz eines befreundeten Sozialarbeiters, der als Kindergartengeschäftsführer für mehrere Kindergärten zuständig ist, hat den endgültigen Anstoß für die Beschäftigung mit dem Thema „Innovation in Organisationen der Sozialwirtschaft“ geliefert.

Geht es wirklich einzig um Geld? Sind die Rahmenbedingungen, in denen Soziale Arbeit geleistet wird, so begrenzend, dass eine innovative Gestaltung von Organisationen der Sozialwirtschaft „aus der Einrichtung heraus“ nicht gelingen kann? Wird die Gestaltung von Abläufen, Prozessen und Strukturen einzig durch externe Stakeholder wie bspw. die Kostenträger, Politik oder im Falle der Kindergärten auch der Eltern ermöglicht oder besteht auch die Option, „aus der Organisation heraus“ innovative Organisationsformen entstehen zu lassen? Welche Faktoren bedingen innovatives Handeln in Organisationen allgemein? Welchen Einfluss haben die Rahmenbedingungen, die sich namentlich in der Organisationsstruktur, der Umwelt der Organisation, der Organisationskultur sowie der Führung und des Personals von Organisationen der Sozialwirtschaft auf die Fähigkeit von Organisationen der Sozialwirtschaft, neu gestaltet zu werden? Welche Unterschiede bestehen diesbezüglich zwischen Organisationen der Sozialwirtschaft und „For-Profit-Organisationen“ (FPO)?

Meine Motivation für die Beschäftigung mit dem Thema liegt jedoch tiefer als einzig auf der Ebene der Aussage eines Freundes. Mit Blick auf meine professionelle Entwicklung wird (für mich) deutlich, dass die Frage nach einer „Verbesserung der gegebenen Bedingungen“ schon seit meinem Erststudium handlungsleitend ist. Anfänglich stand dabei die Frage im Fokus, wie das Studium der Sozialen Arbeit besser gestaltet werden kann. Dies führte zu meiner aktuellen Anstellung im Bereich des Qualitätsmanagements und der Qualitätssicherung auf hochschulischer Ebene. Nicht losgelassen hat mich aber die Frage, wie die Arbeit in den Organisationen, also dort, wo die Arbeit tatsächlich geleistet wird, besser, anders, neu gestaltet werden kann. Hervorzuheben ist meine Beschäftigung mit dem „Megatrend New Work“ und damit einhergehend der Frage, ob die Art, wie wir arbeiten sowie die Organisationen, in denen wir arbeiten, für die zukünftigen Herausforderungen noch als zweckmäßig angesehen werden können oder ob es nicht auch in der Sozialwirtschaft anderer, neuer, innovativer Formen der Zusammenarbeit bedarf.

Erkennbar mit Blick auf zukünftige Herausforderungen, denen sich Organisationen der Sozialwirtschaft gegenüber sehen, sind zunehmende Tendenzen zur Ökonomisierung mit steigenden Anforderungen an die Wirkungsmessung der angebotenen Dienstleistungen, zunehmender Wettbewerb der Organisationen untereinander (vgl. bspw. Heider-Winter, 2014, 137), zunehmende Konkurrenz durch Akteure, die nicht originär dem „Sozialwesen“ zuzurechnen sind (vgl. bspw. Heinze et al., 2013, 343ff), bei gleichzeitig steigender Komplexität der durch die Organisationen wahrzunehmenden Aufgaben (bspw. durch plötzlich auftretende, kaum planbare Anforderungen durch die Flüchtlingskrise).

Deutlich wird, dass die Anforderungen an Organisationen der Sozialwirtschaft in unterschiedlichen Bereichen gestiegen sind und weiter steigen werden.

Grunwald und Steinbach (2014, 287) kommen zu der Einschätzung, dass die Soziale Arbeit „bezogen auf die Themen ‚Ökonomie‘ und ‚Organisation‘ bzw. ‚Management‘ vor vielfältigen und gravierenden Herausforderungen [steht]. (…) Eine spezifische Herausforderung stellt (…) die Auseinandersetzung mit der Ökonomisierung der Gesellschaft im Allgemeinen und der Sozialen Arbeit im Besonderen dar.“

Botzum (2015, 61) fasst zusammen, dass „aufgrund von Veränderungen, die mit dem Sozialen Wandel einhergehen, (…) auch die Freie Wohlfahrtspflege vor der Herausforderung [steht], sich auf neue Zielgruppen einzustellen und/ oder dabei neue Methoden anzuwenden. Somit entstehen Innovationen, die sich auf Leistungen/ Produkte, Prozesse/ Strukturen/ Rahmenbedingungen oder Institutionen beziehen können, und eine zielgerichtete Anpassung an wesentliche Veränderungen ermöglichen sollen“. Die mit den aktuellen Migrationsbewegungen einhergehenden Herausforderungen, die alle Bereiche Sozialer Arbeit betreffen werden, vom Kindergarten bis hin zu stationären Pflegeeinrichtungen, sind da nur ein aktuelles Beispiel, auf das sich die Organisationen einstellen müssen.

Christa (2011, 448) spitzt die Aussage dahingehend zu, dass „Innovation als eine zielgerichtete Anpassung der Angebotspolitik und der konkreten Angebotsumsetzung an die Bedarfslagen einer sich zunehmend rascher verändernden Gesellschaft (…) als eine wesentliche Voraussetzung der Fortentwicklung Sozialer Arbeit auf allen Ebenen anzusehen“ ist. Deutlich wird, dass sich die Organisationen der Sozialwirtschaft einem ständigen Wandlungsprozess gegenüber sehen. Damit lässt sich festhalten, dass die Generierung und Umsetzung neuartiger Ideen zur Lösung sozialer Probleme auf der einen Seite und zur Entwicklung der jeweiligen Organisation auf der anderen Seite in und für Organisationen der Sozialwirtschaft zunehmend wichtiger wird.

Wenn Innovationen auch in Organisationen der Sozialwirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen, stellt sich übergreifend die Frage, welche Bedingungen gegeben sein müssen, die neue Ideen ermöglichen und zu erfolgreichen Innovationen führen.

Parpan-Blaser (2011, 245) kommt zu der Aussage, dass „Innovation (…) infolge ihrer relativen Aspekte und der komplexen sozialen Prozesse, die ihr zugrunde liegen, nicht planbar [ist]; hingegen ist die Herstellung geeigneter Bedingungen für Innovation möglich.“ Wer oder was lässt eine Organisation aber „innovativ“ werden? Kommt es einzig auf die kreativen, spontanen Ideen der in den Organisationen Beschäftigten an? Welche organisationalen Bedingungen spielen eine Rolle für die Innovationsfähigkeit von Organisationen?

So viele Fragen und noch so wenige Antworten…

Ihr seht: Es bleibt spannend! Und ich werde Euch wieder berichten 😉

Für mich bleibt:

  • Entspannt an die Sache herangehen!
  • Das Grobthema ist gut!
  • Die Ausarbeitung bedarf noch etwas Zeit und Beschäftigung mit dem Thema!
  • Ich freue mich auf Eure Tipps und Anregungen…

P.S.: Falls Ihr mehr über meine Gedanken zur Entwicklung der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft erfahren wollt, tragt doch einfach Eure E-Mailadresse oben ein.

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2 Kommentare zu „Master-Thesis-Tagebuch I: Was bisher geschah!“

  1. Spannend für mich, denn du bist mir ein Jahr voraus (ich kann das stillen meines 2. Kindes leider niemanden überlassen, daher zieht sich das Studium noch ein bisschen). Mein Grundstudium war Management sozialer Innovationen und jetzt studiere ich etwas ganz ähnliches wie du. Das Thema trifft also voll meinen Nerv. Ich freue mich also darauf, deinen Prozess weiter zu verfolgen. Vielleicht kommt mir da auch noch der entscheidende Einfall für meine Master-Thesis. Dein Thema erscheint mir im Moment noch immer zu groß. Aber mal sehen, was draus wird. Viel Erfolg!

    1. Hey,

      habe es ganz versäumt, Dir zu antworten… Danke Dir für Deine guten Wünsche! Und ja, das Thema muss eingegrenzt werden und wird eingergenzt, dafür gibt es dann einen Untertitel 😉

      LG

      Hendrik

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