Mutig und emotional: Maike Gosch zur Frage, wie Soziale Organisationen gute Geschichten schreiben

Ich freue mich, Euch hier das nächste Interview in der kleinen Reihe zur Zukunft der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft zu präsentieren!

Diesmal Maike Gosch, Storytelling Consultant aus Hamburg! 

Genießt es!


 

Photo Tina Wunsch

Liebe Frau Gosch, Sie bezeichnen sich selbst als „Storytelling Consultant“ und unterstützen „NGOs, Stiftungen und alle Unternehmen und Menschen, die sich für eine gute Sache einsetzen darin, ihre Geschichten klarer, eindringlicher und besser zu erzählen und Menschen für ihre Themen zu interessieren und zu begeistern.“ Anscheinend scheint Ihr Geschäft zu laufen, es gibt also einen Bedarf für „gute Geschichten“. Wer sind Ihre Kunden? Und warum ist im Sozialen Bereich der Bedarf nach guten Geschichten so hoch?

Ich denke, es gibt immer einen Bedarf an guten Geschichten. Meine Kunden sind überwiegend große Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Stiftungen, Vereine und politische Parteien. Der Bedarf nach guten Geschichten ist im Sozialen Bereich nicht größer oder kleiner als anderswo, denke ich. Menschen mögen einfach gute Geschichten. Eine gute Geschichte ist verständlich, bewegend, eindringlich, überzeugend, interessant. Das sind alles Eigenschaften die jede Kommunikation haben sollte.

Worin sehen Sie den Mehrwert von Storytelling für Soziale Organisationen im Gegensatz zum klassischen Marketing?

Beim Storytelling geht es um die Verbindung zwischen Menschen. Um unser gemeinsames Schicksal. Um Wahrheit und Bedeutung. Darum, was uns als Menschen ausmacht und verbindet. Marketing instrumentalisiert Menschen. Der Zweck ist das Verkaufen. Die menschlichen Gefühle, das menschliche Interesse sind nur das Mittel zu diesem Zweck. Bei Storytelling ist das menschliche Gefühl, das Interesse der Zweck an sich. Das passt zu sozialen Organisationen oder zum gesamten Non-Profit-Sektor. Denn auch da ist das Wohlergehen von Menschen (und Tieren und der Natur) der Zweck an sich und alles andere nur das Mittel dazu.

In einem meiner Artikel habe ich geschrieben, dass es gerade den Sozialen Organisationen enorm schwer fällt, ihre Geschichten so zu erzählen, dass es „gute“ Geschichten sind. Sehen Sie das aus Ihrer Erfahrung heraus ähnlich und wenn ja: Warum ist das so? Wo liegen die Schwierigkeiten, die Soziale Organisationen mit ihrer Außendarstellung haben?

Ich kenne extrem gute und gut erzählte Geschichten aus dem sozialen und NGO-Bereich, deswegen kann ich den Eindruck nicht wirklich bestätigen. Probleme beim guten Storytelling tauchen meistens dann auf, wenn es um größere, sehr bürokratische und ängstliche Organisationen geht. Um Strukturen, die wenig mutig oder kreativ sind. Die es nicht gewohnt sind oder es vielleicht nicht nötig haben (oder zu haben glauben), im direkten Austausch mit der Öffentlichkeit zu sein. Organisationen und Menschen, die ängstlich, verschlossen, zu bürokratisch, zu sachlich und nicht experimentierfreudig sind, werden sich immer mit dem Erzählen von Geschichten schwertun. Ob im sozialen Bereich oder im for-profit Sektor.

Und – sozusagen als Service für die Leser – haben Sie vielleicht ein paar grundlegende Tipps, wie sich „gute Geschichten“ der Sozialen Arbeit erzählen lassen? Worauf muss man achten, wenn man auf die Methode des „Storytellings“ setzen will?

Gute Geschichten generell zeichnen sich zum Beispiel (nicht abschließend) durch folgende Attribute aus: Sie sind wahr. Sie gehen tief. Sie achten auf Details, aber haben auch das große Ganze im Blick. Sie sind anschaulich. Sie haben Bedeutung. Sie sind mutig. Sie sind emotional. Es geht um einen hohen Einsatz. Best –Practice-Beispiele gibt es dafür z.B. bei den wahren Geschichten auf der Facebook-Seite „Humans of New York“ (https://www.facebook.com/humansofnewyork/)

Dort wird Vieles richtig gemacht.

Herzlichen Dank für Ihre Tipps und Anregungen. Jetzt beschäftigt mich die Frage, wohin sich Soziale Organisationen in Zukunft entwickeln werden – das Thema des Blogs, sozusagen. Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für die zukünftige Entwicklung von Sozialen Organisationen? Und vielleicht haben Sie ja noch ein paar Lösungsanregungen…

Ich glaube es ist wichtig, dass auch soziale Organisationen (wie NGOs) sehr viel politischer werden. Der Kuschelkurs sollte vorbei sein. Wir brauchen klarere Haltungen aus dem dritten Sektor.

Ganz herzlichen Dank für Ihre Ausführungen!


P.S.: Schaut doch mal bei Benedikt Geyer vorbei. Er will im Jahr 2016 ein in dem Zusammenhang spannendes Projekt starten.

PP.S.: Falls Ihr mehr über meine Gedanken zur Entwicklung der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft erfahren wollt, tragt doch einfach Eure E-Mailadresse oben ein.

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1 Kommentar zu „Mutig und emotional: Maike Gosch zur Frage, wie Soziale Organisationen gute Geschichten schreiben“

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