Et hätt noch immer jot jejange!

7731330834_b322e87275_mIn der letzten Woche habe ich bei Thomas Michl den folgenden Artikel gelesen:

http://systematischkaffeetrinken.de/2015/02/09/skandal-fachkraeftemangel-faellt-aus-arbeitsmarkt/

Es ist schon wirklich lustig, wie immer wieder von Menschen in Verantwortung versucht wird, auf nicht absehbare Entwicklungen in sich selbst steuernden System mit Maßnahmen zu reagieren, die einfach, handhabbar und überschaubar zu sein scheinen.

Fachkräftemangel: Wir brauchen Fachkräfte!

Lange Diskussionen, Angst, Panik brincht aus: Woher sollen die Fachkräfte kommen. Pflegekräfte aus anderen Ländern, unbesetzte Stellen in Jugendämtern etc. Das ist eine Realität.

Oder haben wir jetzt doch keinen Fachkräftemangel?

Nicht wirklich. Nur 500.000 fehlen?
Das kann sich aber schnell durch Zuwanderung, eine leicht angepasste Geburtenrate oder was auch immer ändern. Dann brauchen wir in zehn Jahren mehr Fachkräfte, oder weniger, wegen der nächsten Wirtschaftskrise, oder, oder, oder….

Warum versuchen Menschen in Verantwortung immer Antworten zu geben?

Warum sollen Führungskräfte, warum sollen Politiker, warum sollen Eltern, warum sollen Lehrer… immer Antworten geben auf Fragen, die nicht beantwortbar sind?
Oder sind wir Menschen einfach so gestrickt, dass uns Antworten besser gefallen als offene Fragen, auch wenn die Antworten eigentlich nur Versuche sein können, wenigstens irgendetwas zu tun?

Weil wir gerne die Verantwortung an jemanden abgeben?

Und dann mal so richtig schimpfen können? Aber so richtig! Die Politiker… Der Chef… Eigentlich auch die Kollegen… Über Lehrer muss man nicht viel sagen… Alles Penner, Hornochsen, Idi…
Solange, bis wir selber die Verantwortung übernehmen müssen und merken, wie unangenehm und wie schwer es ist, Verantwortung für uns und für andere zu übernehmen. Wie unabsehbar auch die Folgen unseres Handelns in Verantwortung sind.
Der Spruch aus dem Kölner Karneval bringt es hier gut auf den Punkt:

„Et hätte noch immer jot jejange!“

Das heißt in meinen Augen nicht:
  • Lass mal die anderen ran!
  • Nimm Dich zurück!
  • Mach mal lieber nichts…
In meinen Augen heißt es:
  • Mach mal!
  • Es ist OK Fehler zu machen, es wird schon gut gehen!
  • Geh ein Risiko ein!
  • Übernimm die Verantwortung für dein Tun, fang’ an!

Sei Dir bewusst: Deine Handlungen sind sowieso nur wenig planbar, nur wenig steuerbar, immer irgendwie unsicher!

Et hätte noch immer jot jejange!

Und was hat das jetzt mit der Führung von Organisationen der Sozialwirtschaft zu tun?

Naja, eigentlich ist es ganz einfach:
Führungskräfte – und hier insbesondere in Organisationen, die mit und an Menschen arbeiten – sollten sich bewusst sein, dass ihr Handeln etwas auslöst! Sie sollten sich aber genauso bewusst sein, dass das, was ausgelöst werden soll, nicht zwingend eintreten muss. Und – in meinen Augen wichtig – dass, wenn es mal nicht so kommt wie geplant, es hierfür keinen „Schuldigen“ gibt, dass es genauso wenig ein eigener Fehler oder gar Versagen ist. Es heißt einfach nur, dass die Folgen des Handelns gerade in Organisationen der Sozialwirtschaft nicht zu 100% planbar, steuerbar oder absehbar sind. Das gilt übrigens auch für Menschen, die nicht in einer Führungsrolle sind.
Und was mir noch auffällt ist: Es macht wenig Sinn, vermeintlich sinnvolle Instrumente aus Disziplinen zu übernehmen, die vielleicht mit einfacheren Dingen – Dienstleistungen, Produkten oder was auch immer – umgehen.
Mit anderen Worten sollten Führungskräfte genauso wie Mitarbeitende in Organisationen der Sozialwirtschaft mutig sein, die Komplexität anzunehmen, die alltäglich ist.
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s