Qualität und Soziale Arbeit – geht das eigentlich?

Dieser Beitrag ist der erste Teil meiner  Serien zur Frage nach Qualität, Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung in Organisationen der Sozialwirtschaft.

Die Bahn und Qualitätsmanagement? Einige schütteln vielleicht verwundert den Kopf, aber so oder ähnlich wird Qualitätsmanagement meist gesehen: Ein Netzwerk aus Regeln, Vorschriften, Do’s and Don’ts.

Kann das in Organisationen der Sozialwirtschaft funktionieren?

Wie angekündigt werfe ich hier zu Beginn einen Blick auf die Diskussion um Qualität und Qualitätsmanagement in der Sozialen Arbeit.

Ein dazu zwar schon etwas älterer, aber dafür nicht weniger aktueller Beitrag findet sich hier!

In seinen „Überlegungen zum Qualitätsmanagement in der Sozialen Arbeit“ (Referat im Rahmen der Fachtagung „Evaluation, Selbstevaluation und Beteiligung als Methoden der Qualitätsentwicklung in der Sozialen Arbeit“ an der Fachhochschule Lüneburg, 07.-10.07.2003) geht Wigbert Flock einführend auf die Genese des Begriffs „Qualitätsmanagement“ ein.
Daran anschließend beschreibt er die historische Dimension der Debatte um Qualitätsmanagement.

Wirklich spannend wird es aber bei der Frage nach Chancen in Risiken des Qualitätsmanagements in der Sozialen Arbeit.

 Als Chance des Qualitätsmanagements werden danach gesehen:

  • ein möglicher Professionalisierungsschub,
  • eine verbesserte Dienstleistungs- und Kundenorientierung,
  • die verbesserte Dokumentation bzw. die Frage der Wirkungsmessung,
  • ein Mehr an Wettbewerb und auch der
  • sparsame Umgang mit den vorhandenen Ressourcen
Ich will auf die einzelnen Bereich nicht näher eingehen, sie sind in der oben genannten Publikation detailliert beschrieben.

Wie sieht es dann auf Seiten der Risiken aus?

Beschrieben werden Risiken der Einsparpolitik und der Ausrichtung der Sozialen Arbeit auf „Marktanforderungen“.
Mit der Einführung von Konzepten des Qualitätsmanagements gehe meist ein hoher, unverhältnismäßiger Aufwand einher. Die gängigen Qualitätssicherungssysteme erforderten einen hohen bürokratischen Aufwand, der in keinem angemessenen Verhältnis zum Ertrag steht.

Das Problem der Qualitätsmessung ist nicht gelöst:

„Es könnten zwar bestimmte formale Indikatoren wie Arbeitsorganisation, Technik, Qualifikation der beteiligten Fachkräfte oder Abläufe beschrieben werden, nicht jedoch andere maßgebliche Merkmale (wie z.B. Führungsstil, Kooperations- und Kommunikationsstrukturen, Motivation etc.).

Weitergehend ist fraglich., ob die mit dem Qualitätsmanagement einhergehende Standardisierung kontraproduktiv ist, da sich die meist völlig individuellen Problembearbeitungen Standardisierungsversuchen entziehen. So hat Soziale Arbeit immer mit sehr komplexen Problemstellungen zu tun, die eben nicht standardisierbar sein können.“

Die kritischen Anmerkungen und Risiken der Frage nach Qualitätsmanagement lassen sich noch erweitern:

In Stichworten:

  • Deprofessionalisierung: Rationalisierung führt zum Einsatz weniger qualifizierten bzw. geringer bezahlten Personals
  • Deregulierung fördert machtspezifische Konflikte: Die Spaltung der Belegschaft, manchmal eines Teams, in eine Kernbelegschaft (Festangestellte) und ProjektmitarbeiterInnen kann Konflikte verschärfen. Die Festangestellten werden Wirtschaftlichkeitsfragen immer auf diejenigen abwälzen, deren Vertrag sie einfach nicht zu verlängern brauchen. „Wenn die Leitungskräfte nicht über hohe Führungsqualitäten verfügen, wird eine offene, ‚fehlerfreundliche‘ Teamatmosphäre bei einem solchen Machtgefälle kaum herzustellen sein.“ (G.AITANIDES, 2001)
  • Motivationsabstürze bspw. der erzwungene Wechsel des Arbeitsplatzes (nur projektgebundene, zeitreduzierte Anstellungen); ungenügende Einarbeitungszeit; das Fehlen einer dauerhaften Perspektive (sich nicht mit dem spezischen institutionelle n und kulturellen Kontext einer Einrichtung bzw. mit den KlientInnen vertraut machen zu können); die Festlegung zu hoher Leistungsanforderungen (Fallzahlen)  häufig durch professionsfremde Leitungskräfte – all dies kann zu Motivationsabstürzen auf Seiten der KollegInnen führen und auch Burn out-Symdrome bewirken.
  • Präventive Konzepte geraten in Gefahr: Gerade weil der „Erfolg“ präventiver Konzepte nicht oder nur sehr schwer messbar, d.h. nachweisbar ist, besteht die Gefahr, dass die hierfür erforderlichen Ressourcen nicht oder nur schwer eingeworben werden können.

Und jetzt?

Lassen wir die negativen Dinge jetzt bestehen und stecken den Kopf in den Sand? Das macht wohl keinen Sinn, und zwar insbesondere aus den folgenden Gründen:

  • Qualitätsmanagement ist Teil der Organisationen der Sozialwirtschaft. Die Existenz zu verleugnen, entsprechende Initiativen zu boykottieren und zu sabotieren, macht keinen Sinn.
  • Es kann auch möglich sein, die mit einem (gut gemachten) Qualitätsmanagement einhergehenden positiven Aspekte können genutzt werden, um auch seine eigene Arbeit besser zu verstehen, zu hinterfragen und damit in professioneller Hinsicht weiter zu kommen.

Wie?

Das wird Teil der nächsten Folgen dieser (etwas unregelmäßigen) Serie zum Qualitätsmanagement sein.

Welche Erfahrungen habt ihr aber mit Qualitätsmanagement in Organisationen der Sozialwirtschaft gemacht?

Ich freue mich auf Eure Rückmeldungen.

 

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1 Kommentar zu „Qualität und Soziale Arbeit – geht das eigentlich?“

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