Schule und das Warum

Meine älteste Tochter ist bereit in der, meine Jüngere kommt im nächsten Jahr in die – Schule.

Der gesellschaftliche Auftrag der Schule, der in Deutschland meist im Schulgesetz eines Bundeslandes festgehalten wird, liegt in der Entwicklung der Schüler zu mündigen und verantwortungsvollen Persönlichkeiten. Sie soll Bildung, also Wissen, Fähigkeiten und Werte im Unterricht gezielt vermitteln. Die gesellschaftlichen Grundwerte sind durch das Grundgesetz vorgegeben. Als weitere Aufgaben werden verschiedentlich Erziehung zur Ehrfurcht vor dem Leben, zur Bewahrung der Umwelt und Verantwortung für künftige Generationen genannt.

Das lässt mich nachdenken. Zunächst greift der Zweck wohl eher zu kurz. So ist in meinen Augen ein wesentlicher Zweck, junge Generationen auf Anforderungen in der Zukunft vorzubereiten. Kinder, die heute in die Schule kommen, verlassen die Schule nach etwa zehn, vielleicht auch zwölf oder dreizehn Jahren.

Wenn man im Rückblick schaut, hat sich die Veränderung der Gesellschaft in den letzten Jahren enorm beschleunigt.

Hartmut Rosa: Die Zeit wird uns wirklich knapp, und zwar aus drei Gründen: Erstens nimmt die technische Beschleunigung zu, das Auto ist schneller als das Fahrrad, die E-Mail schneller als der Brief, wir produzieren immer mehr Güter und Dienstleistungen in immer kürzerer Zeit. Das verändert den sozialen Erwartungshorizont: Wir erwarten von einander auch eine höhere Reaktionsfrequenz. Dazu kommt, zweitens, der soziale Wandel. Leute wechseln ihre Arbeitsstelle in höherem Tempo als früher, ihre Lebenspartner, Wohnorte, Tageszeitungen, ihre Gewohnheiten. Wir sind ungeheuer flexibel – und finden immer weniger Verankerung in stabilen sozialen Beziehungen. Und drittens ist insgesamt eine Beschleunigung des Lebenstempos zu beobachten. Wir versuchen, mehr Dinge in kürzerer Zeit zu erledigen. Wir essen Fast Food, statt in Ruhe zu kochen, machen Multitasking auf der Arbeit, power nap statt Mittagsschlaf oder lassen die Pausen gleich ganz weg.

Ein Interview aus dem Jahr 2009.

In den letzten fünf Jahren hat sich die Beschleunigung wohl nicht reduziert, gefühlt nicht und mit Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen, bspw. Klimawandel, demographische Entwicklungen, Finanzkrisen etc., auch nicht.

Wie wird unsere Gesellschaft in 10 oder 15 Jahren also aussehen? Welche Anforderungen werden auf die heutigen 6 jährigen zukommen, wenn diese vielleicht 20 Jahre alt sind?

Und wie muss Lernen, Bildung, Kompetenzentwicklung, wie auch immer, aussehen, um die Kinder darauf vorzubereiten?

In meinen Augen kann es nur durch tiefgreifende Veränderungen gelingen, hier ein „Warum“ zu entwickeln, das nachhaltig trägt.

Warum müssen Kinder von halb acht morgens bis mittags um zwölf in die Schule? Warum bekommen Kinder für ihre Kunstwerke eine Note? Warum gibt es überhaupt Noten? Warum ist der Blick auf die Gruppe wichtiger als der Blick auf das einzelne Kind? Warum haben Lehrer 12 Wochen Urlaub 😉

Sicherlich gibt es Schulen und vor allem Lehrerinnen und Lehrer, die sich die gleichen Fragen gestellt und für sich so beantwortet haben, dass etwas Neues, gutes, besseres dabei herausgekommen ist.

Hier ein tolles Beispiel für so eine Schule.

Warum gibt es nicht mehr davon? Warum ist das Denken und Handeln in Schulen, in der Arbeit mit Kindern, so, wie es immer noch zu großen Teilen ist?

Wer setzt ein neues „Warum“ für die Zukunft?

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