Projektarbeit und Qualität?

Seit längerem beschäftige ich mich jetzt schon mit der Frage nach Qualität. Dabei steht vornehmlich die Frage nach Qualität von Bildungsgängen, Studiengängen, Ausbildungen etc. im Vordergrund. Basierend auf meiner „Grundausbildung“ zum Sozialarbeiter und meiner Tätigkeit bei der AHPGS – Akkreditierungsagentur im Bereich Gesundheit und Soziales – ist der Hauptfokus dabei auf eben den Bereich Gesundheit und Soziales gerichtet.
In Gesprächen mit befreundeten Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, auf verschiedenen Internetseiten, auf Stellenbörsen usw. ist immer wieder die Rede von „Projektarbeit“ bezogen auf die Soziale Arbeit. Menschen werden befristet für ein bestimmtes Projekt angestellt. Die Finanzierung wird nur für ein bestimmtes Projekt gewährleistet. Es gibt sogar Module in Studiengängen der Sozialen Arbeit, die explizit  Projektmanagement als Kompetenz vermitteln wollen. Soweit ist das auch alles gut und richtig. 

Wenn jetzt jedoch der Blick auf Qualität und insbesondere Qualitätsmanagement hinzugenommen wird, ändert sich das Bild ein wenig. Was ist Qualitätsmanagement? Mit Qualitätsmanagement wird versucht, vielleicht etwas verkürzt, Einrichtungen, Dienstleistungen oder auch Produkte zu verbessern. Qualitätssicherung dagegen fokussiert auf die Einhaltung bestimmter Mindeststandards, die nicht unterschritten werden dürfen.  Im Qualitätsmanagement hat sich bezogen auf bestimmte Prozesse der „Deming-Kreislauf“ etabliert. Auch hier kurz zusammengefasst: Er unterteilt sich in die vier Bereiche „Plan“, „Do“, „Check“ und „Act“. 

Wenn jetzt Soziale Arbeit zunehmend in Projekten angeboten wird, die irgendwann auslaufen, weil die Finanzierung ausläuft, dann kann sich Qualität nicht entwickeln. Es kann nicht besser werden, es kann maximal gleich bleiben. Zu befürchten ist aber, dass es eher schlechter wird. Jegliche Erfahrung geht verloren, alles, was erarbeitet wurde, Beziehungen zu Klienten und anderen Interessengruppen gehen verloren, müssen mit viel Aufwand neu aufgebaut werden. Konzepte müssen geschrieben und womöglich auch noch evaluiert werden, das drohende Finanzierungsende schon vor Augen. 

Was passiert dadurch? In meinen Augen, empirisch nicht belegt, sind die Auswirkungen – über tragische Einzelschicksale von Menschen, die ihren Job verlieren oder jahrelang befristet beschäftigt sind, hinaus – viel dramatischer: Als wesentlich betrachte ich, dass der Blick komplett von der Kundenseite abgewandt wird hin zur Anbieterseite. Nicht die Frage, was das Beste für den Klienten ist, steht im Vordergrund, sondern die Frage, wie die Soziale Arbeit, das jeweilige Projekt oder die jeweilige Einrichtung ihre eigene Existenz sichert, wird handlungsleitend. Woher bekommen wir die Anschlussfinanzierung? Woher bekommen wir ein neues Projekt? Wie sichern wir die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter (ein lobenswerter Gedanke) etc.? 

Damit einher geht die Änderung der Einstellung zur eigenen Arbeit: wenn ich schon nur befristet angestellt bin und nicht weiß, wie meine berufliche Zukunft aussieht, werde ich mein Hauptaugenmerk darauf legen, einen anderen Job zu bekommen. Oder ich werde versuchen, mir meine Arbeit für mich so angenehm wie möglich zu gestalten. Alles nachvollziehbar, aber eben wiederum nicht orientiert an den Bedürfnissen der Klienten. 

Der externe Blick auf die Soziale Arbeit kommt dann zu dem Schluss, dass die Arbeit a) nicht gut gemacht wird und b) die Mitarbeitenden irgendwie unmotiviert und nicht „bei der Sache“ sind. Soziale Arbeit – wenn man sie denn überhaupt braucht – kann damit auch von Ehrenamtlichen, Unbezahlten, Freiwilligen oder von wem auch immer gemacht werden.  

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4 Kommentare zu „Projektarbeit und Qualität?“

  1. Hat dies auf mampel´s welt rebloggt und kommentierte:
    Welche Auswirkungen hat die (mittlerweile) übliche Projektfinanzierung auf den Prozess der Qualitätsentwicklung in sozialen Einrichtungen? Ein interessanter Beitrag hierzu von Hendrik Epe, den ich sehr zum lesen empfehle….!

  2. Hallo Hendrik, ich befürchte auch, dass unter diesem “Trend” die Qualität leidet. Viele Einrichtungen bewerben sich z. B. in der gleichen Region um eine Förderung, es entsteht Wettbewerb etc., der aber in vielen Fällen auf Kosten einer guten Sozialen Arbeit für die Klienten gehen dürfte.
    Auch die Intransparenz dürfte zunehmen. Oft neue Projekte, neue Fördertöpfe, andere Anbieter, andere Namen von eigentlich gleichen Angeboten – die Klienten (um die es tatsächlich gehen sollte) fühlen sich evlt. in einen Dschungel versetzt. Die zunehmende Projektaufteilung könnte dazu führen, dass das Angebot “Soziale Arbeit” mehr und mehr in einen (negativen) Wettbewerbs- und Marketingkreislauf kommt.

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